| Dawn of the dead (2004) | ||||||
| Originaltitel:
Dawn of the dead USA, 2004, 97 min, FSK 18 |
NOTE: 2
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|||||
| Eine
Angst, die sich tief im kulturellen Gedächtnis der westlichen, aufgeklärten
Gesellschaft eingegraben hat, ist die Furcht vor dem Verlust der Individualität.
Mit ihr verbunden ist die Befürchtung, in einen regressiven, tierähnlichen
Zustand zurückzufallen, in ein triebhaftes Verhalten, das sich keinerlei
"Vernunft" mehr beugt. Diese Angst entspringt der ohnehin schon
erschreckenden Selbsterfahrung, mitunter in Situationen zu geraten, in der
man nicht mehr "Herr im eigenen Hause" ist; in dem der Reflex
oder der Trieb die Oberhand gewinnt.
Mit dem Zombie hat das Kino die perfekte Metapher auf diese tief sitzende Angst gefunden. Getreu dem filmischen Motto, dass das, was hässlich ist, auch böse sei, sind diese seelenlosen Untoten, die nur noch von dem Bedürfnis getrieben werden, zu verschlingen, die eindringliche und verstörende Umsetzung der Furcht vor der Entindividualisierung. Entgegen verbreiteter Vorurteile wurde das Genre der Zombie-Filme auch durchaus für pointiert formulierte Gesellschaftskritik genutzt: George A. Romero verlegte seinen Klassiker "Dawn of the dead" in ein Kaufhaus und konstruierte einen bitterbösen Abgesang auf die Konsumgesellschaft. Auf den ersten Blick scheint es, als ob in Zack Snyders Remake des Horrorfilmklassikers von dieser nachdenklichen Seite nicht viel übrig geblieben sei: "Dawn of the Dead" ist in erster Linie ein auf Tempo getrimmter Horrorschocker. Da wird nicht mit einer ausgedehnten Exposition gelangweilt: Kaum haben wir eine der Protagonistinnen, die Krankenschwester Ana (Sarah Polley) kennen gelernt, bricht auch schon die Hölle los. Während sie noch mit ihrem Freund turtelnd unter der Dusche steht, erscheinen bereits die ersten Nachrichtenmeldungen über eine unheimliche Krankheit auf der Mattscheibe. Kurze Zeit später hat sich das Nachbarkind bereits in einen Zombie verwandelt und tötet den Freund vor Anas Augen. Die Krankenschwester kommt gerade noch mit dem Leben davon. Dreh- und Angelpunkt ist auch im "Dawn of the Dead" von 2004 ein Einkaufszentrum. Hier findet sich peu a peu eine sehr unterschiedliche Gruppe zusammen: Da ist zum Beispiel Andre (Mekhi Phifer) mit seiner hochschwangeren Frau oder der gläubige Cop Michael (Jake Webber). Um die katastrophale Situation noch zu verkomplizieren, stellt sich für die Ankömmlinge heraus, dass die in dem Einkaufszentrum verbliebene Sicherheitsmannschaft den Hilfesuchenden nicht gerade freundlich gesinnt ist. Doch eine Umkehr ist unmöglich, denn die Untoten beginnen bereits, das Einkaufmekka zu belagern "Dawn of the Dead" ist filmischer Punkrock: Laut, dreckig und provokativ. In rasant geschnittenen Bildern erzählt Regiedebütant Zack Snyder die Mär vom Kampf der Individuen gegen die amorphe Masse. Dabei gerät der Film zu einem andauernden Andrenalintrip, denn im Gegensatz zu den Zombiestreifen der vergangenen Jahrzehnte sind die Untoten des 21. Jahrhunderts keine schlurfenden Langweiler mehr, sondern rasend schnell und sehr kräftig - hier ähnelt "Dawn of the Dead" sehr Danny Boyles "28 days later". Doch gegen "Dawn of the dead" kommt das Werk des Briten geradezu feingeistig daher. Zack Snyder macht es offenbar einen Mordsspaß, knietief im Kunstblut zu waten. Dabei setzt er auch auf gezielte Provokation, indem er mit einem hämischen Grinsen gleich diverse ungeschriebene Gesetze des Hollywoodfilms mit Füßen tritt. Unter anderem das, dass brutale Gewalt nicht (zumindest nicht sichtbar) von Kindern ausgehen, oder an ihnen verübt werden darf. Garniert wird das Ganze mit staubtrockenem Humor, dem jedoch jegliche augenzwinkernde Ironie à la "Scream" abgeht. Und auch, wenn man es kaum glauben möchte: "Dawn of the dead" ist zwar laut und gemein, aber lange nicht dumpf. Zwar wird man in dem Remake keine pointiert formulierte Sozialkritik finden, aber dennoch einen recht konsequent durchkonstruierten Exkurs über das Handeln von Individuen in Extremsituationen: Dass hier die Eingeschlossen mitunter binnen kürzester Zeit die Loyalitäten wechseln, ist keine Drehbuchschwäche, sondern durchaus folgerichtig. Die Bedrohung von außen ist derart extrem, dass sich schnell ein achselzuckender Pragmatismus breit macht. Dabei erspart Zack Snyder dem Zuschauer auch nicht den Blick auf die Tatsache, dass unter dem Eindruck von unmenschlichen Verhältnissen von außen auch schnell das Wertesystem der Überlebenden im Einkaufszentrum ins Wanken gerät. Lediglich Ana bleibt ansatzweise die Stimme der Vernunft in einem anarchischen Zustand, in dem es dann auch OK ist, vom Dach der Shopping Mall aus Zombies als Nachmittagssport zu erschießen - wohlgemerkt nicht ohne ihnen vorher Namen von bekannten Schauspielern zu geben, ein durchaus bezeichnender Seitenhieb. Um nicht falsch verstanden zu werden: "Dawn of the Dead" ist sicher kein intellektuelles Autorenkino - doch es ist durchaus auch mehr als einfach nur ein weiteres stumpfes Horrorfilmchen. |
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