| Pollock | ||||||
| Originaltitel:
Pollock USA, 2000, 110 min, FSK 6 beantragt |
NOTE: 2+
|
|||||
| Vielen
Schauspielern gelten biographische Filme quasi als die Königsdisziplin
der Schauspielerkunst. Hier ist der Schauspieler in der Regel gezwungen,
sich seiner Rolle vollkommen unterzuordnen und persönliche Manierismen
und egoistisches Geltungsbedürfnis zugunsten der Figur beiseite zu
schieben. Dabei winken mitunter Schwierigkeiten, die über die "normalen"
Herausforderungen, derer sich ein Schauspieler zu stellen hat, weit hinausgehen.
Ein gutes Beispiel hierfür Filme, die sich mit dem Lebenswerk von Malern
beschäftigen. Denn - so banal das auf den ersten Blick klingen mag
- Schauspieler sind nun mal in der Regel keine Maler. So fällt es den
Darstellern mitunter recht schwer, einen solchen zu verkörpern. Häufig
sieht man dann in solchen Filmen die Leinwand nur in Rückansicht und
nicht den eigentlichen Malvorgang, oder der Zuschauer ist lediglich Zeuge,
wie der Schauspieler ein paar Striche auf ein ansonsten fast fertiggestelltes
Gemälde setzt. Nur selten gerät deshalb die Verkörperung
eines Malers gelungen.
Aus diesem Grunde kann man die Tatsache, dass Schauspieler Ed Harris sich bei seinem Regiedebüt ausgerechnet die Verfilmung der Biographie des amerikanischen Malers Jackson Pollock vornahm, gar nicht besonders betonen. Denn gerade bei Jackson Pollock, dem ersten Maler der Neuzeit, der zu so etwas wie einem Medienstar wurde, war es von entscheidender Bedeutung, ob es Ed Harris gelingen würde, den Prozess des Malvorgangs im doppelten Sinne überzeugend auf die Leinwand zu transferieren. Denn Jackson Pollock ist nicht nur eine der Schlüsselfiguren der modernen Kunst, er entwickelte in den 40er Jahren auch eine vollkommen neue Maltechnik, bei der er die Farbe auf eine am Boden liegende Leinwand spritzte und tropfen ließ - was ihm in Kritikerkreisen den Vorwurf einbrachte, er würde nur Kleckse auf der Leinwand hinterlassen. Der erste Popstar
unter den Malern Für Lee Krasner ist die Lage klar: Pollock muss aus New York heraus, wenn er nicht zugrunde gehen soll. Krasner und Pollock heiraten und es gelingt ihr, ihren Mann zu überzeugen, aufs Land zu ziehen. Sie kaufen einen einfachen Bauernhof in East Hampton und tatsächlich wirkt sich die ländliche Gegend positiv auf Pollocks Alkoholismus und seine labile Psyche aus. Hier, abseits der lauten Großstadt kommt der Maler so weit zur Ruhe, dass ihm der große Durchbruch gelingt: Er entwickelt den unverwechselbaren Malstil, der ihn bald als ersten amerikanischen Maler überhaupt auf das Titelblatt des Time Magazins bringen soll. Plötzlich steht Pollock im Rampenlicht, Interview folgt auf Interview, sogar ein Dokumentarfilm über seine Arbeit wird gedreht. Doch die Hochphase ist nur von kurzer Dauer, aufgrund einer Ehekrise fängt der Maler wieder an zu trinken.... Schauspielerische
Herausforderungen Die Verkörperung von Jackson Pollock ist aber nicht nur ein schauspielerischer Triumph, weil es Harris gelingt, den kreativen Prozess des Malens überzeugend auf Zelluloid zu bannen, sondern auch, weil er sich nicht vor den Ecken und Kanten von des Malers scheut. Pollock ist keine sympathische Figur. Seine Alkoholexzesse sind mitunter erbärmlich, seine Klagen über mangelnde Aufmerksamkeit wehleidig und seine Ausfälle gegenüber seiner Frau unerträglich. Doch gerade diese Ambivalenz macht Pollock zu einem wesentlich interessanteren Charakter als beispielsweise den weichgespülten John Nash in "A Beautiful Mind". Dieser rundweg gelungenen Darstellung steht Marcia Gay Harden in ihrer Verkörperung von Pollocks Weggefährtin Lee Krasner in keinster Art und Weise nach - wofür sie auch 2001 vollkommen verdient einen Oscar für "Beste weibliche Nebenrolle" erhielt. Als resolute Frau, die die Fähigkeiten, aber auch die "Dämonen" von Pollock erkannt hat, geht sie eine sowohl fürsorgliche als auch vollkommen unromantische Beziehung zu Pollock ein, um ihn vor sich selber zu schützen. Dabei verkörpert Marcia Gay Harden perfekt eine Frau, die sich ihrer "Mission" bis an den Rand der Selbstaufgabe widmet. Dennoch ist Krasner keine Mutter Teresa, auch sie hat ihr "dunklen Seiten", die sich besonders in Interviews und Gesprächen äußern, in denen sie zu geradezu aggressiven Ausbrüchen neigt, wenn es jemand wagt, die Genialität ihres Mannes in Frage zu stellen - denn damit gerät natürlich auch der an ihren Kräften zehrende Kampf um Pollock ins Wanken. Die überaus gelungenen schauspielerischen Leistungen tragen den Film auch dann, wenn ihm einige dramaturgische Schwächen unterlaufen. Das letzte Viertel des Filmes ist sehr zäh, was dann paradoxerweise in einem total abrupten Ende gipfelt. Diese Holprigkeiten kann man wohl der Doppelbelastung von Ed Harris und der Tatsache, dass es sich hier um sein Regiedebüt handelt, zuschreiben. Dennoch: Mit "Pollock" ist dem Schauspieler auf Anhieb wohl eine enorm einfühlsamste und "authentische" Künstlerbiographie gelungen. Der Zuschauer sollte allerdings schon ein gewisses Interesse für moderne Kunst mitbringen, ansonsten dürfte der Film wohl ziemlich an ihm vorbeigehen. |
||||||
|
||||||