Shrek
Originaltitel: Shrek
USA , 2001, 90min, FSK 0
 Offizielle deutsche Homepage
NOTE: 3
Nicht etwa "Pearl Harbor" oder "Tomb Raider" sind 2001 bislang die  Kassenknüller des Jahres in den USA, sondern ein computeranimierter Film aus dem Hause Dreamworks: "Shrek" ist nicht nur der Titel des Films, sondern auch der Name eines grossen, grünen Monsters, einem sogenannten Oger. Er lebt am liebsten alleine in seinem Sumpf, wo er in Ruhe eine Schlammdusche nehmen kann. Doch wie es so kommt, eines Tages taucht ein frecher Esel auf der Flucht vor den Soldaten des kleingewachsenen Fürsten Farquaard auf und sucht bei Shrek Zuflucht. Dieser will eigentlich nur seine Ruhe, doch er rettet dennoch den Esel vor den Soldaten. Doch damit nicht genug, für Shrek kommt es immer schlimmer: der Fürst schickt die gesamten Märchenwesen seines Reiches, die er gefangengenommen hat, um eine in seinen Augen perfekte Welt zu schaffen ausgerechnet in seinen Sumpf. Shrek ist entsetzt und macht sich auf den Weg zum Schloss des Fürsten, um die Ruhe in seinen Sumpf zurückzuverlangen. Der schlägt ihm einen Deal vor: Shrek befreit die in einem von einem feuerspuckenden Drachen bewachten Schloss gefangengehaltene Prinzessin Fiona und bringt sie zu Farquaard, damit der sie heiraten kann. Dafür würde er die Märchenwesen aus Shreks Sumpf wieder abziehen und ihn in Ruhe lassen. Shrek willigt ein und geht gemeinsam mit Esel Donkey, der ihn nicht in Ruhe lässt, auf die Suche nach der Prinzessin...

Von dem Medien zur Generalabrechnung Jeffrey Katzenbergs mit Disney hochstilisiert, ist "Shrek" eher zu einer Demonstration des Zeitgeists gegen allzuheile-Welt Filme im Stille der klassichen Disney-Zeichentrickopern geraten. So dementierte Katzenberg, einst selbst an der Spitze von Disney verantwortlich für den "König der Löwen" und dann im Unfrieden geschieden, auch jegliche solautenden Unterstellungen. Natürlich sind die Anspielungen auf Disney ständig gegenwärtig, angefangen von einem Stelldichein aller aus Disney-Verfilmungen bekannten Märchenfiguren über das als eine Satire auf "Disney-Land" designte Schloss des Fürsten bis zu mehreren Persiflagen auf die disney-typischen Gesänge. So beschwert sich Shrek ständig bei Esel Donkey über dessen Gesangseinlagen und das schiefe Gesangsspiel zwischen Prinzessin Fiona und einem Vogel endet in dessem Platzen. 

Schon der Vorspann macht die Leitlinie des Films klar: wir sind die albernen heile-Welt Märchen satt und machen uns lieber über all diese (Kindheits)-Mythen lustig. Das ist dann auch Anfangs ganz unterhaltsam, wenn der vorlaute Esel Donkey den rauhbeinigen Shrek nervt. Doch wie immer entsteht ein Problem, wenn man einen Film unter der Vorgabe einer bestimmten Botschaft entwickelt, anstatt erstmal von einer vernünftigen Story auszugehen. Denn die entwickelt sich genauso platt und vorhersehbar wie man das dann eben doch wieder aus den Disney-Filmen kennt. So ist dann auch mehr eine Aneinanderreihung von (teilweise gelungenen) Gags entstanden, als ein spannender Film.

Doch auch die Witze sind nicht ganz unproblematisch, zumindest dann nicht, wenn man die Altersfreigabe "Ohne Beschränkung" betrachtet. Denn zum einen basieren die Gags auf Filmzitaten von Filmen, die ein Sechsjähriger wohl in der Regel noch nicht gesehen hat (Matrix etc.), zum anderen auf der Entmythisierung beziehungsweise Verballhornungen der Disney-Klischees. Für kleine Kinder dürfte diese Erfahrung in etwa dieselbe sein wie die, wenn sie erfahren, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Der aufgeklärte Bürger mag nun sagen: je früher die Kinder mit der Realität konfrontiert werden, umso besser. Ich denke aber, dass dieser Film für Kinder unter sechs Jahren nicht geeignet ist. Ausserdem entsteht noch ein ganz anderes Problem aus der Entlarvung der Kindheitsmythen: das Ganze funktioniert genau einmal, danach wirkt es unglaubwürdig und abgestanden. Und so zerstört Katzenberg mit diesem Film einen Teil des Fundaments, auf dem der aussergewöhnliche Erfolg gebaut ist. 

Ein anderes Aspekt ist die optische Gestaltung. Ich kann mir nicht helfen, aber mir entlockt die zugegebenermassen perfekte Computergrafik keine grossen Begeisterungsrufe. Denn je realistischer die Animationen werden, umso langweiliger wird dieses Spiel. Das Interessante am Zeichentrickfilm ist ja gerade die kunstvolle Abstraktion von der wirklichen Welt. Katzenberg beteuert zwar, man sei sich dessen bewusst und habe sogar die Darstellung der Prinzessin Fiona wieder qualitativ zurückgeschraubt, dennoch bietet die glatte Ästhetik der Animationen wenig Charme beziehungsweise Originalität. 

"Shrek" ist beileibe kein schlechter Film, er hat durchaus seine unterhaltsamen Momente und die Figur des Shrek selbst ist liebenswürdig verschroben und selbst der nervende Esel schafft es, den Nervfaktor des Zuschauers weit unter "Jar-Jar Binks"-Niveau zu halten. Bisweilen gibt es auch originelle Gags mit den oben genannten Einschränkungen. Anonsten würde die dünne Story auch nicht über die vollen 90 Minuten tragen, die für einen Animationsfilm ja ohnehin recht lang sind. Die deutsche Synchronisation scheint ganz gut gelungen, wenn ich auch das Original nicht gehört habe und somit eine korrekte Beurteilung nicht vornehmen kann. Lediglich die glatte (um nicht zu sagen: langweilige) Stimme von Schwiegermutterliebling Sascha Hehn passt nicht so recht zum rauhbeinigen Monster. Insgesamt ein netter Film, der aber keinesweg revolutionär oder wegweisend für das Genre des Animationsfilm sein dürfte. 

Thomas Vits


 

Synchro (deutsch):
Shrek  - Sascha Hehn
Esel Donkey  - Randolf Kronberg
 Prinzessin Fiona  - Esther Schweins
 Fürst Farquaad - Rufus Beck

Regie:
Andrew Adamson, Victoria Jenson

Drehbuch:
Ted Elliott, Terry Rossio

Musik:
Harry Gregson-Williams